Valentina

Sie öffnete ihre Augen und blinzelte auf die Uhr. Mist, schon wieder verschlafen. Noch kurz liegen bleiben und zu mir kommen – bloß nicht wieder einschlafen. Lorena versuchte schnell wach zu werden und sich gleichzeitig darauf zu konzentrieren was sie geträumt hatte, sie war noch ganz aufgewühlt. Sie hatte wieder von ihr geträumt.

Langsam schleppte sie sich aus dem Bett und versuchte sich nebenher folgende Fragen zu beantworten: was sollte das, warum träumte sie schon wieder von Valentina? Oder sollte sie diesem wiederkehrenden Traum etwa gar keine so große Bedeutung beimessen? Doch es war immer etwas intensives, tiefgehendes, bedeutungsvolles ihrer Meinung nach. Sie wischte ihre Gedanken beiseite und versuchte sich erneut zu konzentrieren.

Sie hatte Valentina zum ersten Mal im Februar getroffen, damals war sie, auf der Suche nach einer passenden Sportart bei ihr im Tanzstudio gelandet. Bevor sie das erste Mal in den Kurs ging, tauschten sie kurz ein paar Nachrichten aus. Dann kam der Tag des ersten Kurses und als sie Valentina zum ersten Mal erblickte, stockte ihr der Atem. Sie wusste nicht warum. Doch sie bemerkte, dass es ihr genau so erging. War es ihre atemberaubende Schönheit, ihr Strahlen dass sie so faszinierte? Nein, sie hatte vielmehr das Gefühl dass sie dieses engelsgleiche Gesicht von irgendwoher kannte. Sie hatte strahlend hellblaue Augen und wirkte unglaublich zart und weiblich. Ab diesem Tag wawr Lorena immer in ihrem Kurs, fast täglich. Wenn Valentina unterrichtete konnte Lorena abschalten, in eine andere Welt der südamerikanischen Klänge eintauchen, fühlte sich frei und unbeschwert. Sie fühlte eine sehr starke Anziehungskraft zwischen ihr und Valentina, sehr stark und doch sehr zart. Mehrmals fragte sie sich, ob sie sie darauf ansprechen sollte. Sie war sich sicher, dass auch in Valentina etwas vorging. Wenn sie sich umarmten, verschwand alles um sie herum und eine Herzverbindung war fast augenblicklich hergestellt. Doch sie spürte auch einen tiefsitzenden und gut gehüteten emotionalen Schmerz in ihr. Eines Tages öffnete sich Valentina ihr und erzählte von ihrer gescheiterten Ehe und wie sie ihren geliebten Sohn an den Vater abgegeben hatte, um ihm den ewigen Streit zwischen den Eltern zu ersparen. Das ließ sie erbeben, doch das war es nicht. Da war noch viel mehr.

Portrait of a smilling brunette woman

Lorena sprang schnell unter die Dusche und ließ das heiße Wasser auf ihren Körper prasseln. Sie hatte das Gefühl Valentina umarmen zu wollen, sie zu streicheln und zu küssen. Ihre oft so schnell aktivierten Muttergefühle erweckten in ihr den Wunsch, für sie da zu sein, sie in ihren Armen zu wiegen und zu trösten. Davon hatte sie auch heute Nacht wieder geträumt: Valentina, ein junges Mädchen, zart und zerbrechlich, lag in ihren Armen und schluchzte. Lorena streichelte ihr über ihr rehbraunes Haar und wiegte sie hin und her. „Alles wird gut, mein Schatz“ flüsterte sie ihr ins Ohr. „Es ist nicht deine Schuld, er wird wieder kommen.“ Und damit meinte sie ihren Vater, der zum erneuten Mal die Familie verlassen hatte, um im Krieg das Vaterland zu verteidigen. Sie schluckte und wusste, dass sie ihre Tochter belog. Ihr Bauchgefühl verriet ihr, dass sie ihren Mann am Morgen das letzte Mal gesehen hatte.

Was hatte dieser Traum nur zu bedeuten? Warum kehrte er wieder und warum war er so real? Am liebsten würde sie ihre Erfahrung mit Valentina teilen, doch ihr fehlte der Mut. Was würde sie wohl denken, wenn sie so ernst über ihre Träume mit ihr sprach? Und ihre Verbindung war eine starke, und doch eine ganz zarte.

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