bild Schmerz

Um Wunder in unser Leben lassen zu können müssen wir uns erstmal bewusst darüber werden, was sie bisher davon abgehalten hat. Waren sie da und wir haben sie nicht wahrgenommen? Kamen sie nicht, weil wir nicht bereit dazu waren?

Momente des Alleinseins rufen manchmal schmerzhafte Erinnerungen hervor.

Ich möchte das gerne an einer Geschichte verdeutlichen. Eine liebe Frau, wir nennen sie einfach mal Helga, erfreute sich lange sehr guter Gesundheit bis sie eines Tages feststellte, dass nicht nur eins oder zwei, sondern gleich vier unterschiedliche Krankheitsbilder bei ihr auftauchten. Sie hatte sich jahrelang überfordert, Kind, Haushalt und noch wichtiger: ihre bisherige Einstellung zum Leben, zu sich selbst und nicht zuletzt ihre Ernährung hatten ihr Übriges getan, im Hintergrund gewütet und schließlich dazu geführt, dass ihr Körper sich nun mit aller Deutlichkeit wehrte. Sie sah sich nun mehr denn je mit sich selbst konfrontiert, beinahe unbeweglich und kaum zur Hausarbeit mehr fähig musste sie sich mit ihren vergrabenen Wünschen und Ängsten auseinander setzen. Diese waren nicht umsonst vergraben. Bisher wusste sie nicht, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollte. Keiner hatte ihr das jemals gezeigt. Wut, Ärger, Frust, Trauer, all die „negativen“ Gefühle durfte sie nie zum Ausdruck bringen. Ihre Erziehung hatte sie dazu gezwungen diese Gefühle „nicht haben zu dürfen“. Doch sie waren immer da. Und nun fingen sie an, ihren Körper anzugreifen.

All ihre bisherigen Arztbesuche hatten sie enttäuscht zurückgelassen. Ärzte fanden nichts bei ihr. Einzig und allein Schmerztabletten bekam sie verschrieben. Doch heilen wollte ihr Körper nicht. Und so saß sie weiterhin hoffend, weiterhin nachdenklich in ihrem Zuhause, das ihr mittlerweile so fremd erschien. Wer war sie eigentlich? An welchem Zeitpunkt war ihr Leben eigentlich so aus den Fugen geraten? Ab wann hatte sie aufgehört auf ihren Körper und ihr Bauchgefühl zu hören?

Sie begann auf ihr Leben zurückzublicken. Eigentlich hatten sie und ihr Mann Carlos nie so richtig zusammen gepasst. Zu unterschiedlich waren doch ihre grundsätzlichen Weltansichten gewesen. Was hatte sie damals eigentlich so sehr an ihm fasziniert? Er hatte klare Grenzen gezogen, das was ihr oftmals fehle. Er war impulsiv und in seinem Umfeld konnte sie sich auf positive Weise auch ab und an gehen lassen. Sie sah in seiner Gegenwart nicht alles so eng. Auf Dauer konnte sie sagen war es eher die Ernsthaftigkeit und nötigen Respekt vor dem Leben selbst was ihm fehlte.

Ihrem Sohn zuliebe blieb sie bei Carlos und fand sich mit den teils gravierenden Unterschieden ab. Dieser wurde erwachsen. Schon während er aufwuchs bemerkte sie wie schwer es war ihm die richtige Erziehung zukommen zu lassen, da Carlos und sie an ihm von beiden Seiten zogen. Jeder hatte seine eigenen Vorstellungen. André war schon als kleiner Junge hin- und hergerissen. Er wollte ein guter Junge sein und den Respekt seiner Eltern erarbeiten. Doch eines der beiden Teile war immer enttäuscht. André wurde unglücklich. Seine Mutter liebte ihn sehr und versuchte ihm zu helfen. Dabei tat sie zuviel, sie sah nicht dass es nicht in ihrer Macht stand ihn glücklich zu machen. Dabei vergaß sie sich selbst. Genau das musste der Punkt gewesen sein.

André war mittlerweile erwachsen. Bald würde er das Haus verlassen. Spätestens dann müsste Helga wieder damit beginnen sich auf sich selbst zu konzentrieren. Doch meistens schmerzt die Wahrheit. Und wie sollte sie die ganzen Jahre der verdrängten Emotionen jemals aufarbeiten? Würde das die Trennung von Carlos bedeuten?

Langsam aber schmerzlich wurde ihr bewusst, dass ihr Körper ihr jahrelang Signale gesendet hatte, die sie nur zu gerne beiseite geschoben hatte. Keine Zeit, keinen Nerv. Oder war es vielleicht sogar so, dass es ihr in gewisser Art und Weise Freude bereitete ihre Emotionen zur Seite schieben zu können? Nun konnte sie es nicht mehr, sie war alleine. Saß in der Küche, bei dämmerigem Licht, draußen war es trüb und gerade hatte es angefangen zu regnen.

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